
PEACEMAKER GEMEINSCHAFT DEUTSCHLAND
Überkonfessioneller Dachverband für Spiritualität
und Soziales Engagement
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Peacemaker Gemeinschaft Deutschland
Weinsbergtalstr. 45
42657 Solingen
Tel.: 0212-499326
Praxistage auf der Straße
mit
Heinz-Jürgen Metzger
21.-25. Juli 2010, Bremen
“Straßenretreats konfrontieren uns ganz direkt
mit dem Leben. Das ist zwar bei anderen Retreats grundsätzlich auch
so, aber nach meiner Erfahrung nicht in so intensiver Weise. Auf der Straße
erleben wir Aktivitäten wie Essen, Pinkeln, Scheißen und Schlafen
völlig nackt und elementar. Eine andere wichtige Erfahrung während
solcher Retreats ist die der Zurückweisung. Nach einem einzigen Tag
auf der Straße werden Sie von anderen Menschen zurückgewiesen
und geleugnet, dass Sie überhaupt existieren. In Restaurants werden
Sie nicht mehr bedient oder sogar am Betreten gehindert. Wenn Sie darum
bitten, die Toilette benutzen zu können, wird dies abgelehnt. Andere
Menschen halten sich von Ihnen fern, weil ihnen Ihr Geruch und Aussehen
nicht gefällt.
Wenn Sie dies einmal wirklich ganz bewusst miterlebt haben, werden Sie
die Menschen, die auf der Straße leben, nie mehr meiden, denn diese
Menschen sind sie selbst.“
Bernie Glassman Roshi
Wir werden fünf Tage auf der Straße verbringen. Wir werden betteln, meditieren und über unsere Erfahrungen sprechen. Straßenretreats der PEACEMAKER GEMEINSCHAFT werden in dem Buch „Zeugnis ablegen – Buddhismus als engagiertes Leben“ von Bernie Glassman beschrieben, das im Theseus-Verlag erschienen und dem der obige Auszug entnommen ist.
Das Straßenretreat beginnt nicht erst am 21. Juli in Bremen: Es beginnt bereits Wochen zuvor. Alle am Retreat Teilnehmenden müssen zuvor eine Bedingung erfüllen: Sie müssen betteln. Mit dem Betteln beginnen sie vor dem Retreat – durch das Sammeln einer Mala.
Eine Mala ist eine Art Perlenkette, die aus achtzehn kleinen und einer großen Holzperle besteht. Jede Perle repräsentiert eine Person, die den Teilnehmenden unterstützt. Die kleinen Perlen repräsentieren eine Person, von der 18 Euro, die große eine Person, von der 108 Euro erbettelt wurden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen also 19 Menschen – Mitglieder ihrer Familie, Freundinnen, Freunde oder Geschäftspartner – dazu bewegen, ihre Teilnahme am Straßenretreat finanziell zu unterstützen. Nur wenn ihnen das gelingt, können sie an dem Straßenretreat teilnehmen. Ein Teil des so gesammelte Geld fließt in Projekte in Bremen, die sich an Obdachlose wenden.
Heinz-Jürgen Metzger führte in den letzten Jahren Straßenretreats in verschiedenen Städten Deutschlands durch. Er leitet die BUDDHAWEG-SANGHA und koordiniert die Arbeit der PEACEMAKER GEMEINSCHAFT DEUTSCHLAND.
„Wenn wir uns von unseren gewohnten Denkmustern lösen können, finden wir auf der Straße alles, was wir brauchen. Falls wir einen Schlafplatz suchen und dabei nur an ein warmes, gemütliches Bett denken, finden wir natürlich keinen. Aber wenn wir Ausschau halten nach Dingen, mit deren Hilfe wir uns einen einigermaßen bequemen Schlafplatz bereiten können, entdecken wir Kartons, Plastikmaterial, achtlos weggeworfene Decken und Mäntel und manchmal sogar eine alte Pelzjacke. Oder wir finden heraus, dass das Ausstopfen der Schuhe mit Zeitungen ein guter Schutz gegen die Kälte ist. Wenn wir auf der Straße sind, wird uns sehr bald klar, wie schnell und umfassend wir uns von unseren Vorstellungen, unserem Wissen zu lösen vermögen.
Bernie Glassman Roshi
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Berichte von Teilnehmenden:
E. Ebener: Straßen-Retreat in Kiel - ein außer-gewöhnliches Erlebnis
S. Mella: Persönliche Erfahrungen
H.-J. Metzger: Haben Sie etwas Geld für mich?
P.-T. Weber:
Mein Name ist wie der Staub der Straßen
Fotos:
Straßen-Retreat Köln-Düsseldorf 1997
Links:
Street-Retreat in New York City 1997